U-Bahner.com

Die andere Wahrheit!

Tarifstreit

Nachbetrachtung zum Tarifstreit

| Keine Kommentare

Wie oder wo soll ich anfangen? Überall schallt mir entgegen, was habt ihr denn da abgeschlossen.

So ganz kann ich den Unmut nicht verstehen, denn so schlecht sehe ich den Abschluss nicht. Obwohl ich nach den Verhandlungen ziemlich „angefressen“ war und beim Thema Fremdvergabe immer noch bin. Ich war teilweise dicht dran an den Verhandlungen und kann dazu nur sagen, dass Klima ist rauer geworden. Große Sprünge sind kaum noch drin. Und das jetzt erzielte Ergebnis ist ohne Streik erzielt worden. Ob es mit Streik sehr viel besser geworden wäre, wage ich zu bezweifeln. Da wäre aus meiner Sicht die Frust- und Erwartungshaltung auf beiden Seiten nur gesteigert worden.

Nun zum Einzelnen.   

Die Verlängerung der Anwendungsvereinbarung bis 2025 für BVG und BT bewerte ich als den großen Erfolg bei diesem Tarifstreit. Das ist eine Arbeitsplatzsicherung die im ÖPNV wohl einmalig ist. Jetzt muss sich nur noch der Senat dazu bekennen, den Verkehrsvertrag entsprechend anpassen damit diese Anwendungsvereinbarung richtig zur Wirkung kommt.

Die Änderungen bei der Leistungsvergabe sind dagegen für mich nicht weit genug gegangen. Da hatten die Verhandlungen für mich auch einen faden Beigeschmack. Daß die Straßenbahn wieder zu fast 100 % von der BVG gefahren wird ist ein Erfolg.

Bei der U-Bahn war unsere Forderung das Kleinprofil wieder zu 100 % von der BVG zu betreiben. Da konnten wir (ich) uns aber nicht durchsetzen. Argumente dafür wurden gar nicht richtig angehört bzw. zugelassen. Mir wurden immer nur Dogmatismus, also Starrsinn vorgeworfen. Dabei haben die Begründungen, die zur Rückführung der Leistung bei der Straßenbahn herangezogen wurden für die U-Bahn die gleiche Gültigkeit. Und den immer wieder gern zitierten großen finanziellen Aufwand konnte ich auch nicht erkennen.

Kompromiss war dann, die aktuelle Fremdvergabe von 32 % als Höchstgrenze festzulegen. Ist eine Verbesserung von 5 % gegenüber vorher. Beim Bus konnte eine Vergabe von 15 % an private Unternehmen verhindert werden. Ansonsten ist auch hier 60 % als Mindestwert für die BVG festgelegt worden. Wie gesagt, zufrieden bin ich bei diesem Punkten überhaupt nicht. Das Gesamtergebnis sollte aber nicht an diesem Punkt scheitern. Ewig lamentieren hilft nicht weiter. Muss ich nächstemal besser machen. Falls ich nochmal die Chance dazu bekommen sollte.

Bei dem Punkt Entgelt scheiden sich wieder einmal die Meinungen. Ich halte das Ergebnis für gut. Zumal für das Jahr 2013 immer wieder nur Einmalzahlungen angeboten wurden. Zuletzt 400,-€. Hört sich im ersten Augenblick immer gut an, ist aber eben nur eine Momentgeschichte. Ca. die Hälfte kommt wirklich Netto an und dann einmal z.B. mit der Frau shoppen gehen und weg ist die Kohle. Daher haben wir hier auf eine tabellenwirksame Forderung gepocht. Ja, ein Prozent ist nicht viel. Doch mit den 2,2 % ab 1.1.14 sind es insgesamt schon 3,2 %. Und das ist kein schlechtes Ergebnis. Wer an die geforderten 6,5 % geglaubt hat, hat das System nicht verstanden.

Das ist das bis jetzt geeinigte Ergebnis. Es sind noch offene Punkte zum Thema Manteltarifvertrag. Diese haben aber nicht die Wirkung alles wieder scheitern zu lassen. Zudem wird noch über ein sogenanntes „Optionspapier“ verhandelt. Da würde der Vorstand aus Gründen der Planungssicherheit gerne von 2016 – 2020 eine jährliche Entgelterhöhung von 2,5 % festschreiben. Die soll aber von einem positiven Betriebsergebnis abhängen. Ist verlockend und gefährlich zugleich. Deshalb dazu noch Verhandlungen.

Für mich insgesamt also ein positiver Abschluss. Einer den ich erklären, erläutern und vertreten kann. Mehr geht immer, dann muss man es aber auch durchsetzen können. Und jedem Meckerer kann ich nur empfehlen, wählen lassen und dann zeigen, dass man es besser kann.

Bleibt tapfer Torsten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.